Zum Ursprung der Durian

Borneo gilt als der Ursprung des Königs der Früchte. Die Vielfalt an Geschmäckern, Sorten und  Durian-Spezies übertrumpfen bei weitem die Vielfalt in Thailand und Bali, wobei jedes Land seine eigenen Spezialitäten zu bieten hat. In Borneo ist das Klima trotz seiner 30°C tagsüber recht human. Mit großer Vorfreude sind wir in Kota Kinabalu gelandet. Welche Geschmäcker uns wohl erwarten? Die erste Woche in Borneo durften wir mit Tina und Simon verbringen. Das Pärchen aus Europa reist seit einigen Jahren in den Tropen umher und hat nun Borneo für die nächsten Wochen vorgesehen. Dabei zeigen sie uns die seltensten und besten Früchte, die das Land zu bieten hat. Rollinia, die wie ein saftig cremiges Zitronensorbet auf der Zunge zergeht. Dabai, die Dschungelolive, die nach gesalzenen Stampfkartoffeln mit Kräutern schmeckt. Seltene rote Avocado-Durian, die farblich alles in den Schatten stellt und riesige Mengen an Kokosnüssen, die uns tagtäglich erfrischten. Einige Videos und Zeitungsberichte wurden schon über sie veröffentlicht. In Asien sind sie bereits einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Tina und Simon bekommen ein Baby, dadurch wurden die Reise noch interessanter, da sie sich nur von Früchten ernähren.  Ihr Geschmack hat sich komplett verändert, erzählt uns Tina. 

Während der Reise mit Tina und Simon haben wir alte Bekannte wieder getroffen. Es war wunderbar, die Leute wiederzusehen und von ihrem Fortschritt zu hören. Jeder bringt Erfahrung und Erlebnisse in die Gruppendynamik mit. Das belebt und erhält die Vielfalt. Die Geschmäcker in der Gruppe sind so vielfältig wie die Persönlichkeiten. Einzig und allein bei der Durian waren sich so gut wie alle einig: Suluk. Diese Durian schmeckt wie feines Tiramisu! Eine weitere Spezialität, die tief aus dem Dschungel kommt: Durian Dulcis. Dieser rote Feuerball riecht bereits aus der Ferne nach chemischem Kleber und ist richtig schwer zu öffnen. Ist die stachelige Frucht mal geöffnet, zeigen sich weiß-gelbe Fruchttaschen, die einen intensiv süßen Minzgeschmack haben. Viele Teilnehmer unseres Retreats haben sie genossen. Mir war sie dann doch etwas zu süß. Während unserer gemeinsamen Reise haben wir Bootsausflüge in Brunei gemacht, natürliche Schlammvulkane besucht und Märkte erkundet. Täglich gab es gemeinsames Frühstück, Mittag- und Abendessen mit den besten Früchten. So reisten wir von Kota Kinabalu nach Lawas, Brunei und weiter nach Limbang. Dschungelwanderungen und Baden in tropischen Gewässern haben uns erfrischt. Am Weg durch den Dschungel gab es auch immer wieder neue Sachen zu entdecken: Die Palmölfrucht, von dessen fragwürdigen Anbaumethoden immer wieder in den Medien zu hören ist. Des Weiteren gab es noch Kubal, welche als eine der seltensten Früchte der Welt gilt. Die Samen dieser Frucht sind so wertvoll, dass damit weltweit gehandelt wird.

 

Tina und Simon kümmerten sich bestens um die Wünsche und Bedürfnisse der Gruppe. Es gab täglich frische Früchte und Martins Verlangen nach Sapote Amarillo wurde sehr bald gestillt.  Ein weiteres Highlight dieser Reise war eindeutig Dabai. Die Dschungel-Olive ist ein Gaumenschmaus der besonderen Art. Nur auf Borneo ist sie derzeit erhältlich. Eigentlich gilt sie als Vogelfutter, denn im natürlichen Zustand findet man die Ölfrucht relativ hart vor. Vögel schlucken die Frucht und weichen sie in ihrem Kropf ein bis sie weich wird. Damit sie für uns Menschen verzehrbar wird, weicht man sie am besten im warmen Wasser bis max. 42°C ein. So bleiben sie wirklich roh und die Vitamine werden erhalten. Nach 20 bis 30 Minuten kann man sie in der Regel aus dem Wasser holen und dann genießen. Je nach Qualität kann auch ein längeres oder erneutes Wasserbad erforderlich sein. Hat man erst mal den Dreh heraus, kommt man in eine fantastische Geschmackswelt von salzigen Kartoffeln mit Kräutern, Hummus, gekochten Linsen oder Pizza mit Kräutern und Feta-Geschmack. In Dabai finden sich komplexeste Geschmäcker der Natur wieder. So wurde jeden Abend reichlich von ihnen verspeist.

 

 

Nach einigen längeren Autotrips durch Borneos Dschungel durften wir die letzten Tage unserer Gruppenreise im Dschungel verbringen. Dort gab es eine Gemeinschaftsküche mit Panoramablick über das bewaldete Hügelland. Jeder hatte seine eigene kleine Hütte mit Dusche und gemütlichem Bett. Tagsüber besuchten wir die Thermalquellen, in denen heißes Wasser aus natürlichen Vorkommen eingelassen wird. Dort konnten wir in den Becken baden und eine Art ekstatischen Effekt erleben: Bleibt man so lange im heißen Wasser bis der Herzschlag sich beschleunigt und es nicht mehr auszuhalten ist, kann man sich danach schleunigst zum kühlen Fluss begeben und komplett untertauchen. Während dieses Wechselspiels der Extreme bekommt man ein sehr leichtes Gefühl im Kopf und alles erscheint extrem klar. Die Atmung funktioniert dann als hätte man ein Menthol-Zuckerl eingenommen. Nach etwa einer Woche gemeinsamer Reise haben wir uns dann von der Gruppe verabschiedet und noch zwei Wochen selbständig Borneo erkundet. Dabei durfte ich noch eine der populärsten Sorten der Durian verkosten: „Musang King“. Diese Durian ist eine meiner Lieblingssorten. Sie schmeckt sehr intensiv und ist fleischig cremig. Sie hat süße und bittere Noten und zeigt sich in einem goldgelben Fruchtfleisch. Erkennen kann man Musang King vor allem an den fünf Linien, die auf der Unterseite der Frucht einen Stern bilden.

 

Vor allem für Durian-Liebhaber und Menschen, die gerne salzige und fettige Früchte wie Dabai probieren wollen, ist Borneo ideal. Diese Raritäten gibt es derzeit nur hier. Borneo bietet reichlich Märkte, sehr gastfreundliche Kultur und Erlebnismöglichkeiten für Reisende. Dabei findet sich auch der ein oder andere Sandstrand. „Selamat Jalan!“

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